Nordverbund, 17.04.2015

Stellungnahme des VNU zur Novellierung des WissZeitVG

Im Vorfeld der geplanten Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) sind befristete Beschäftigungsverhältnisse an den deutschen Hochschulen Gegenstand einer lebhaften öffentlichen Diskussion. Insbesondere werden kurze Vertragslaufzeiten, unterhälftige Beschäftigungsverhältnisse und fehlende Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs beklagt.

In der aktuellen Auseinandersetzung um befristete Arbeitsverträge an den Hochschulen stehen Fälle kurzer Vertragszeiten, die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Erreichung eines Qualifizierungsziels nicht ermöglichen, zu Recht zur Diskussion. Im Bewusstsein ihrer Verantwortung und Fürsorge für den wissenschaftlichen Nachwuchs erarbeiten die Mitgliedsuniversitäten des Verbundes Norddeutscher Universitäten daher gegenwärtig Leitlinien, in denen sie sich zu angemessenen Vertragslaufzeiten und guten Arbeitsbedingungen verpflichten. Einige Mitgliedsuniversitäten haben bereits entsprechende Leitlinien vorgelegt. Die Selbstverpflichtung ist an dem generellen Ziel orientiert, befristete Verträge an der Erreichung von Qualifikationszielen und – im Falle von drittmittelfinanzierter Projektförderung – an den Projektzielen und Projekterfordernissen auszurichten. Zusätzliche Qualifizierungsangebote sollen zudem den wissenschaftlichen Nachwuchs auf eine Karriere in der Wissenschaft vorbereiten sowie Perspektiven für eine berufliche Karriere außerhalb der Wissenschaft eröffnen.


Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses gehört zu den Kernaufgaben einer Universität. Ein breiter Qualifizierungskorridor an den Universitäten, der durch befristete Arbeitsverhältnisse sowohl in der Phase der Promotion als auch in der ersten Phase nach der Promotion geöffnet bleibt, sichert in jeder Generation befähigten jungen Menschen die Möglichkeit, sich für eine Karriere in und außerhalb der Wissenschaft zu qualifizieren.
Das Spannungsverhältnis zwischen den grundlegenden Aufgaben einer Universität im Hinblick auf eine generationengerechte Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses einerseits und dem berechtigten Wunsch nach einer planbaren beruflichen Karriere andererseits verpflichtet die Universitäten aus Sicht der Mitglieder des Nordverbundes zu größtmöglicher Transparenz. Dazu gehören Offenheit hinsichtlich der Stellensituation an den Universitäten und ihrem Angebot an befristeten Qualifikationsstellen und unbefristeten Funktionsstellen, die frühzeitige Information und Beratung hinsichtlich der besonderen Erfordernisse einer wissenschaftlichen Karriere sowie eine faire Ausgestaltung von Beschäftigungsverhältnissen, die sich an Qualifizierungszielen orientiert.


Die Universitäten können einer Selbstverpflichtung hinsichtlich angemessener und guter Beschäftigungsverhältnisse nur in dem Maße nachkommen, in dem die haushaltsfinanzierten Stellen auskömmlich finanziert sind und Drittmittel mit angemessener Laufzeit bewilligt werden. Hier bedürfen die Universitäten in der Gestaltung von Arbeitsverträgen weiterhin der notwendigen Flexibilität.