Qualität wird nicht als statische sondern als dynamische Größe verstanden. Die Evaluationen zielen darauf, die Selbstreflexion der Beteiligten zur Weiterentwicklung ihrer Konzepte und ihrer Praxis anzustoßen und sie zu einer kontinuierlichen Qualitätsentwicklung zu verpflichten. Die Verfahren sind eingebettet in die Organisationsentwicklung der einzelnen Hochschule. Insofern sind sie einerseits diskursorientiert und andererseits handlungsorientiert mehr...
Die mehrstufigen Studienfachevaluationen im Verbund Norddeutscher Universitäten entsprechen den international anerkannten Programmevaluationen im Hochschulbereich und den von der Deutschen Gesellschaft für Evaluation (DeGEval) formulierten Standards für Evaluation (Nützlichkeit, Durchführbarkeit, Fairness und Genauigkeit).
Die Verfahren im Verbund Norddeutscher Universitäten enthalten einige Besonderheiten, die den speziellen Charakter der Evaluation im Nordverbund ausmachen. Sie beziehen sich primär auf das inhaltliche Konzept und die Zielorientierung des Evaluationsverfahrens:
- Die Evaluationsprojekte werden gleichzeitig an mindestens drei Hochschulen durchgeführt, die örtlich nah beieinander liegen. Das ermöglicht einen erweiterten Bezugsrahmen für die Gutachtenden und einen Erfahrungsaustausch der Evaluierten untereinander bei im Rahmen bleibendem Aufwand für die Reisen. Trotzdem konkurrieren die beteiligten Universitäten nicht um die Ausstattung durch einen Landeshaushalt, was die Offenheit untereinander gewährleistet.
- Die Auswertenden Konferenzen schlagen die Brücke von der Analyse der Stärken und Schwächen in Studium und Lehre zu den Konsequenzen, die die Fachbereiche aus der Evaluation ziehen wollen.
- Die Studierenden haben die Möglichkeit, sich in allen Phasen des Projekts maßgeblich zu beteiligen.
- Die Gutachten entstehen analog den Verfahren in der Deutschen Forschungsgemeinschaft, also nach dem Prinzip der Selbstorganisation der Wissenschaften.
- Ein Vergleich im Sinne eines Erfahrungsaustausches zwischen den Universitäten, in dem die Beteiligten von einander lernen können, ist beabsichtigt; auf einen Vergleich im Sinne eines Rankings wird verzichtet.
- Die Ergebnisse einer Evaluation werden in Zielvereinbarungen gefasst und die Verwirklichung der vereinbarten Maßnahmen wird kontrolliert.
Die Evaluationen im Verbund Norddeutscher Universitäten wurden 1995 als beispielhaft im Studienreform-Projekt des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat die Einführung und Gestaltung der Evaluation in fast allen Schritten konstruktiv begleitet, Meinungsbildungen moderiert und finanziell unterstützt.
Das Konzept der Evaluation im Verbund Norddeutscher Universitäten wurde 2002 von Sandra Mittag, Lutz Bornmann, Hans-Dieter Daniel gemeinsam mit dem Konzept der Evaluation in der ZEvA „meta-evaluiert“ (Mittag et al: Münster, 2003). |